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Nierenarterienstenose

Pathophysiologie

Die pathophysiologische Bedeutung der Nierenarterienstenose ist zweigeteilt. Einerseits ist sie ursächlich für die Hypertonie (Bluthochdruck) in bis zu 4 % aller Hochdruckpatienten.

Die Minderdurchblutung der Niere führt in diesen Fällen zu einer hormonellen Reaktion (Renin – Angiotensin – Mechanismus), an deren Ende einerseits die Bildung einer stark blutdrucksteigernden Substanz (Angiotensin II) und andererseits die Rückresorption von Salzen (Hyperaldostonerismus) und damit die Blutvolumenzunahme steht.

Andererseits führt die Einengung der Nierenarterie über Minderung der Nierendurchblutung zur Einschränkung der Nierenfunktion. Die Durchblutungsstörung der Niere ist damit für etwa 15 % aller chronischen Nierenversagen verantwortlich. Das Risiko ist insbesondere beim beidseitigen Arterienbefall erhöht.

Diagnose

Den ersten Verdacht auf gestörte Nierendurchblutung gibt der einfache Nierenultraschall mit Größenmessung der Nieren und Größenvergleich. Die schlecht durchblutete Niere zeigt eine Verkleinerung (im fortgeschrittenem Stadium spricht man von der Schrumpfniere). 

  • Duplex Sonographie
    Durch moderne Duplexsonografiegeräte mit großer Eindringtiefe und unter Verwendung von Ultraschallkontrastmittel ist es besonders beim schlanken Patienten möglich, die Nierearterienabgänge zu beurteilen. 
  • Magnetresonanz Angiografie
    Unser Haus bietet mit einer modernen Magnetresonanzangiografieanlage die Möglichkeit der Darstellung der Nierenarterien ohne Kontrastmittelverwendung.
  • CT - Angiografie
    zur Therapieplanung
  • Katheterangiografie -intervention
    Die digitale Subtraktionsangiografie wird heute beinahe ausschließlich zur Therapie (Dehnung und Stenteinbringung) und nicht zur Diagnostik verwendet.
Nierenarterienstenose links, CT Bildgebung. (Gefäßzentrum, Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz)
Nierenarterienstenose links, CT Bildgebung
(Gefäßzentrum BHB Linz)
Nierenarterienstenose links, Intervention Start (Gefäßzentrum, Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz)
Nierenarterienstenose links, Intervention Start
(Gefäßzentrum BHB Linz)
Nierenarterienstenose links, Intervention Start (Gefäßzentrum, Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz)
Nierenarterienstenose links, Intervention Abschlusskontrolle nach Stentsetzung
(Gefäßzentrum BHB Linz)

 

Indikation (Welche Nierenarterie soll wiederhergestellt werden?)

Durch eine Wiederherstellung einer normalen Nierendurchblutung durch Beseitigung der Nierenarterieneinengung kann potentiell sowohl ein Hochdruck wie auch eine Nierenfunktionseinschränkung geheilt werden. Leider ist vor allem beim Hochdruck eine Vorhersage über die Wahrscheinlichkeit einer Normalisierung des Blutdrucks nach Nierenarterientherapie nicht oder nur selten möglich.

Aufwendige invasive Hormontests vor der Therapie (seitengetrennte Reninbestimmung aus den beiden Nierenvenen) waren in ihrer prognostischen Aussagekraft enttäuschend. Die an unserer Isotopenabteilung des Hauses durchgeführte Captoprilszintigrafie (Funktionsszintigrafie der Nieren mit und ohne ACE–Hemmermedikation) lässt bessere Rückschlüsse auf das Vorliegen eines nierenarterienbezogenen Hochdrucks zu.
Zusätzlich zu dieser Funktionsdiagnostik erfolgt die Indikationsstellung auf der Basis der Angiografie, Art und Hochgradigkeit der Stenose (Einengung) sowie dem Vorliegen eines nicht ausreichend therapierbaren Hochdrucks und einer eingeschränkten Nierenfunktion.

Beidseitigkeit des Befalls der Nierenarterien sowie Alter und Lebenserwartung beeinflussen ebenfalls die Therapieentscheidung.  Die meisten Nierenarterienstenosen haben eine arterioklerotische Ursache. In selteneren Fällen liegt als Ursache der Arterienveränderung eine sogenannte fibromuskuläre Dysplasie (FMD) vor. Da diese eine wesentlich bessere Therapieprognose hat, ist auch diese Unterscheidung für die Indikationsstellung zur Therapie im Einzelfall wichtig.