Varizen - Sonstige Methoden

CHIVA

Diese Operationsmethode wurde in Frankreich Ende der 80er Jahre entwickelt. CHIVA definiert vier so genannte Venennetze, die sich in verschiedenen anatomisch definierten Faszienebenen befinden.

Weiters werden vier Formen von Rezirkulationskreisen (Shunttypen S1 – S4 ) zwischen tiefen und oberflächlichem Venensystem angegeben.

Basis der CHIVA Methode ist der Versuch der hämodynamischen Korrektur der Varizen durch gezielte Ligaturen an den vier Shunttypen. Dabei werden die erweiterten Varizen nicht wie nach der klassischen Therapieüberlegung entfernt sondern lediglich an verschiedenen Stellen unterbunden. CHIVA gibt also vor, den Reflux durch gezielte Ligaturen reduzieren zu können, während nach klassischer Lehre nur durch komplettes Ausschalten des Rezirkulationskreises mittels Entfernung der varikösen Venen und Verschluss des Entry an der Stammvene sowie der Re-entry-Perforans-Venen möglich ist.

Warum hat sich CHIVA im deutschsprachigen Raum nicht durchgesetzt?

CHIVA führt keine Crossektomie sondern nur eine Mündungsligatur der Vena saphena magna durch. Dies führt nicht nur zum Crossenrezidiv sondern nach entsprechend langer Verlaufsbeobachtung auch zur sekundären Leitveneninsuffizienz. Verschiedene beschriebene Shunttypen kommen in klassischen Phlebografiestudien nicht vor. Zum Beispiel ist ein Rezirkulationskreis (S1) zwischen Stammvene - Leitvene und Stammvene durch phlebografische oder duplexsonografische Studien nicht belegbar und entspricht daher nicht unserem pathophysiologischen Verständnis der Varizenerkrankung.

20 % der Operierten müssen sich bereits sechs Wochen nach der Operation einer Zweitoperation (Ergänzungsoperation) unterziehen. Es benötigt angeblich 3-6 Monate bis sich die Varizen etwas zurückgebildet haben. Publizierte Langzeitergebnisse in Bezug auf Rezidivvarikose (Wiederbildung von Krampfadern), Reoperationshäufigkeit und kosmetische Ergebnisse sind dürftig.

Eigener Kommentar zu CHIVA

Das Interessante an der Methode ist, dass sie ausnahmslos duplexsonografisch gesteuert ausgeführt wird – sowohl die Diagnostik wie die Therapie betreffend. Leider fehlen Arbeiten, die davon ableitbare neue pathophysiologische Überlegungen erkennen ließen. Hauptkritikpunkt ist sicher der, dass nach klassischem pathophysiologischen Verständnis eine Reduktion des pathologischen venösen Blutflusses des Varizenträgers nicht ausreicht, um ein möglichst lang anhaltendes und kosmetisch zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen. Da die Neigung zur Varizenbildung nach jeder Therapieform erhalten bleibt, sollte zumindest zum Zeitpunkt der Operation die komplette Ausschaltung des Rezirkulationskreises angestrebt werden. Dies mag der Grund sein, dass der Methode im deutschen oder angloamerikanischen Raum die weite Verbreitung verwehrt blieb und die CHIVA Methode nur in Frankreich und Italien eine gewisse Verbreitung erreichte. Da bei Operationsmethoden,bei denen auf die Crossektomie verzichtet wurde, Crossenrezidive sehr spät auftraten (10 – 15 Jahre nach Erstoperation), werden die Langzeitergebnisse nach CHIVA interessant. Diese stehen heute noch aus.